Emmanuel Mounier wurde am 01. April 1905 in Grenoble geboren. Sein Vater war in einer Apotheke angestellt und leitete dort das Labor. Seine Mutter war Hausfrau. Emmanuel hatte noch eine ältere Schwester Madeleine.
Er durchlief das französische Schulsystem und erwarb den Baccalauréat, das französische Abitur. Auf Wunsch der Eltern und wohl auch aus finanziellen Gründen schrieb er sich zunächst für Medizin ein, wechselte aber nach einem Jahr zur Philosophie. Dabei fand er einen Lehrer, der sein Talent erkannte und förderte: Der Pascal-, Descartes- und Bergsonspezialist Jacques Chevalier (1882-1962).
In Chevaliers Tagebuch findet sich ein Eintrag, der eine Charakterisierung und positive Einschätzung Mouniers gibt: „Emmanuel ist ein großer blonder Junge mit blauen Augen und bleicher Hautfarbe. Er sieht mich an, ohne mich zu fixieren, aufgrund einer leichten Schwäche des Gesichtssinns. In meiner Gegenwart erscheint er sehr eingeschüchtert. Er ist ein Schweigender, der zuhört und fast nichts sagt. Wenn er redet, ist sein Redefluss sehr beschleunigt. Aber man fühlt, dass er innerlich gespannt ist auf alles, was ich sage“, Jacques Chevalier: Journal intime. Mes souvenirs sur Emmanuel Mounier (unveröffentlicht). Zitiert n. Mounier: Entretiens, S. 25 (Présentation).
Mounier wiederum schreibt über Chevalier, der mit seinen öffentlichen philosophischen Vorträgen im Jahr 1926 die Säle bis zum Bersten füllt: „Unten der Vortragende: Ein Gesicht, welches die Jugend noch mit ihrer Flamme aufhellt; etwas Energisches auf der Stirn und Mildes im Gesicht, Ausdrucksvolles in der Geste und Zurückhaltendes in der Stimme; das lebendige Bild einer Kraft in ihrer Reife, eines Denkens in völliger Beherrschung seiner selbst und seines Ausdrucks. Die starke, langsame, nüchterne, manchmal bissige, aber nicht effekthascherische Stimme, – zieht die Überzeugung ohne den Zwang nach sich, durch ihre feste Selbstsicherheit. Die Eloquenz macht sich flexibel, um in jedem Moment das Interesse wachzuhalten. (…) Es ist wie eine Kathedrale der Ideen, die sich vor uns aufbaut, aber eine Kathedrale, deren schöpferischer Idee treu folgende Arbeiter wir wären. Es ist der Dialog des Musikers mit seinem Klavier, welches mitfühlend mit der Inspiration des Meisters vibriert. (…) So hat während zweier Monate mitten am Nachmittag – in Grenoble – ein Philosoph dieses Wunder vollbracht, durch die bloße Ankündigung der großen ewigen Fragen ein solches Publikum zu versammeln, dass ab der zweiten Sitzung 300 Personen an den Türen abgewiesen werden mussten.“, Emmanuel Mounier: Un penseur français: Jacques Chevalier, in: La Vie catholique 79 (1926) [zit. n. Mounier: Entretiens, S. 25-26 bzw. Ders.: Œuvres complètes. Bd. 1: 1922-1932, S. 167-172, S. 167].
„Am 22. März und am ersten April 2025 jähren sich Todes- und Geburtstagstag Emmanuel Mouniers zum fünfundsiebzigsten bzw. zum einhundertzwanzigsten Mal.“
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